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Wir alle erleben unsere persönliche Weihnachtsgeschichte – wir müssen sie nur sehen


Ein scheinbar ganz banales Erlebnis hat mich heute so sehr berührt, dass ich es gerne mit dir teilen möchte und es gleichzeitig mit dem Schreiben dieser Zeilen für mich selbst festhalten möchte. Soviel vorab: Eine besondere Begegnung wurde zu meiner ganz persönlichen Weihnachtsgeschichte.

Super erschöpft von den letzten Wochen bin ich heute auf die Couch gefallen und habe nach einem kurzen Nap beschlossen meine noch ausstehenden Einkäufe zu nutzen, um noch einmal an die frische Luft zu gehen. Gesagt – getan. Der Weg vom Supermarktparkplatz zurück nach Hause führte mich auf einen schmalen Gehweg. Da es schon anfing dunkel zu werden, lief ich zügig den schmalen Gehweg an der Straße entlang. Schon aus der Ferne fiel mir eine ältere Dame in den Blick, die vor mir den Weg entlang lief. Sie lief mit einem Gehstock und zog ihre Einkäufe in einer kleinen Einkaufstasche hinter sich her. Als ich sie fast eingeholt hatte stockte ich kurz und lief langsam hinter ihr her. Ich war etwas unsicher, ob ich kurz über die Straße ausscheren sollte, um einen Überholversuch vorzunehmen.
Ich entschied mich dagegen und nach ein paar Metern bog sie rechts in das Wohngebiet ab, welches auch auf meiner Route lag. Kurzer Hand lief ich an ihr vorbei, blieb stehen und fragte sie, ob ich ihr mit ihren Einkäufen nach Hause helfen darf. Sie schaute mich an und sagte "Die sind aber wirklich sehr schwer! Wohnen Sie denn bei uns in der Straße?" In diesem Moment wusste ich, dass dies eine besondere Begegnung ist.

So nahm ich Ihren Einkaufswagen und lief in ihrem Tempo neben ihr her.
Und ohne, dass ich ihr eine Frage stellen musste fing sie an mir aus ihrem Leben zu erzählen. Sie erzählte mir, dass sie immer für sich und ihren Mann einkaufen geht, dass das sehr anstrengend für sie ist, aber es sie fit hält. Ihr Mann hatte vor einigen Jahren einen Schlaganfall, ist halbseitig gelähmt. Eigentlich wollte sie mit ihm in die Altstadt laufen, um zumindest einmal den geschmückten Weihnachtsbaum zu bestaunen, aber das sei dieses Jahr kaum möglich, denn schon der Weg zum Arzt ist sehr anstrengend für beide. Eigentlich wollte Ihr Enkel sie an Weihnachten besuchen kommen, aber sie sagte ihm, dass sie dieses Jahr wohl besser alleine bleiben. Nach dem zweiten Schlaganfall im Sommer wurde ihr Mann notoperiert und auch wenn er es gut überstanden hat, fällt ihm eine Unterhaltung sehr schwer. Manchmal muss sie ihm helfen die Sätze zu beenden, die er sagen will. Und manchmal sagt er "Heute hat es aber lange gedauert, bis du verstanden hast, was ich sagen will!" Sie bedauert sehr, schon so lange nicht mehr mit ihm zu den wöchentlichen Stammtischen gehen zu können, an denen er zwar wenig Redebeteiligung hatte, aber sie merkte trotzdem immer, dass es ihm gut tat. Jeden Tag legt sie ihm seine Kleidung zurecht – alleine anziehen, das kann er noch, aber eben sehr langsam. Überhaupt geht es eben nicht mehr so schnell wie früher. Auch ihre geplante Hüft-OP wurde dieses Jahr abgesagt. Ihre Tochter, die in Amerika lebt schickt ihr zum Geburtstag und Weihnachten immer einen wunderschönen Blumenstrauß und als sie ihr sagte "Lass' das dieses Jahr mal sein, geht von dem Geld lieber schön essen, wenn es denn wieder geht!" sagte ihre Tochter, dass er bereits bestellt ist – sogar mit Vase. Und obwohl sie schon so viele Vasen hat, kann sie es kaum erwarten, bis die Blumen da sind. Sie ist froh, dass sie bereits 85 Jahre erleben durfte und ihre Worte: "Wer weiß, vielleicht darf ich auch noch Uroma werden!" So erzählte sie mir aus ihrem Leben und von Gott und der Welt. Die wenigen Meter fühlten sich wie eine halbe Ewigkeit an und dennoch hatte ich das Gefühl, dass ich genau richtig war an diesem Ort, zu diesem Zeitpunkt. Mein Redeanteil bestand aus nur wenigen Sätzen wie "Schön, dass sie für ihren Mann da sind!", "Ja, das kann ich verstehen, dass das nicht mehr so leicht geht wie früher!" und mehr war auch gar nicht notwendig, denn ich konnte Ihre Dankbarkeit für den kurzen Spaziergang spüren.

Als wir an Ihrem Haus ankamen, bestand sie darauf ihre Einkäufe die letzten Stufen zur Haustür selbst hochzutragen. Denn der Einkaufswagen, den Ihr Ihre Tochter aus Amerika organisiert hat, hat schließlich extra große Rollen, damit sie ihn die Treppen gut hochziehen kann. Außerdem hat sie früher auch 20-Kilo-Säcke Kartoffeln getragen, sie sei das schon gewohnt. Sie schloss das Gartentor hinter sich und sagte "Wenn Sie mich wieder sehen und mich erkennen, sprechen Sie mich ruhig an. Ich kann mir Ihr Gesicht mit Maske so schlecht merken!". Und mit den Worten "Ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit, haben Sie ein schönes Weihnachtsfest und viel Gesundheit im neuen Jahr" verabschiedete sie mich. Als ich mich beim Weglaufen noch einmal umdrehte, sah ich, wie Ihr Mann ihr bereits die Haustür ein kleines Stück öffnete und auf sie wartete.

Selten hatte ich einen Moment, in dem ich so sehr gespürt habe, was das Gefühl "Weihnachten" bedeutet.

Merry Christmas – everyone!